Hirsch – die Legende von Tassilo

Am Anfang, bevor es den Namen "Kremsmünster" gab oder eine Siedlung, die überhaupt einen Namen verdient hätte, war die Gegend voller Wald und Sümpfe; vielleicht ein Paradies für Tiere. Aber Jäger findet man immer, die es durchstreifen, um Beute zu machen. So auch der Hofstaat von Herzog Tassilo, dem Bayernherzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger. Er nannte dieses Land sein Eigen. Es war mehr Hinterland, als Kernland –ideal, um zu jagen. Und eines Tages kam Tassilos Sohn Gunter in diese Gegend. Er war auf Sauhatz - auf Wildschweinjagd - und verfolgte einen Eber. Ihr beider Kampf war ihr beider Ende. Mensch und Tier verbluteten. Sie starben an den einander zugefügten Wunden; durch den Speer der Eber, durch die scharfen Hauer der Mann. Jede Hilfe für den Herzogsohn kam zu spät. Sein Jagdhund lief alleine zurück und führte die Gefährten Stunden später an den Kampfplatz. Neben einer unschuldig sprudelnden Quelle fanden sie die Leiche mit den Wundmalen und das verendete Beutetier. Es blieb nicht mehr zu tun als zu trauern und zu wehklagen. Als Tassilo, der Vater, in der Nacht an der Bahre des Sohnes kniete, sah er plötzlich einen Hirsch, mit brennenden Fackeln am Geweih hervortreten. Diese Erscheinung konnte nur gedeutet werden als Zeichen, Gunter an jener Stelle zu beerdigen. So geschah es, und dazu ließ man eine Kirche aus Holz erbauen. Sie entwickelte sich in Folge zu einem Kloster. Es entstand das Stift Kremsmünster, das im Jahre 777 von Mönchen besiedelt und eingeweiht wurde.

Diese Gründungssage von Kremsmünster wird erstmals um 1300 von Bernardus Noricus - einem hiesigen Mönch und Geschichtsschreiber - überliefert.

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